Die Biergärten in München sind das gastronomisch institutionalisierte Lebensgefühl der bayerischen Landeshauptstadt. Ein Potpourri aus Gerüchen, Geschmäckern und Geräuschen, dem Sehen und Gesehenwerden – Erlebnis für alle Sinne und Sinnbild bajuwarischer Gemütlichkeit. Einen Münchner Biergarten kann man nicht einfach beschreiben, mindestens einmal während der Klassenfahrt nach München muss man einen besucht haben.
Das Bier – Ein integrativer Bestandteil Münchens
Der Gerstensaft gehört zu München wie die Weißwurst, das Oktoberfest und die Türme der Frauenkirche. Im Gebiet des heutigen Bayern wurde schon zur Zeit der Kelten um 500 vor Christus aus gemälztem Getreide Bier hergestellt. Seit dem Mittelalters verbreitete sich zunehmend die Beigabe von Hopfen, die dazu beitrug, das Bier länger haltbar zu machen. Ab dem 12. Jahrhundert etablierten sich an Höfen, in größeren Städten aber vor allem in den Klöstern professionelle Braumeister und Schankwirtschaften. Aus dem Jahr 1516 stammt dann das bayerische Reinheitsgebot, wonach nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden darf – in der heute gültigen Version ist auch Hefe erlaubt, keinesfalls jedoch irgendwelche künstlichen Zutaten. Und bis ins 20. Jahrhundert hinein galt Bier in Bayern nicht als Genussmittel wie beispielsweise Wein, sondern gewissermaßen als flüssiges Brot. Wie könnte es auch anders sein – Getreide, Hefe, Wasser. Der durchschnittliche Münchner Bierkonsum lag dann auch bis um 1900 herum bei mehreren Litern pro Tag und Einwohner. Dieses Konsumverhalten hat sich mittlerweile gewandelt, aber eine kleine Menge Bier soll laut diverser Forschungen ja durchaus der Gesundheit dienlich sein.
Zu einer Klassenfahrt nach München gehört es, natürlich abhängig vom Alter der Schüler und dem Ermessen der Lehrer, einfach dazu, das bayerische Lebensgefühl zumindest einmal gekostet zu haben. Insbesondere Abschlussklassen und Abiturienten dürfen sich während ihrer Klassenfahrt nach München ruhig mal eine Halbe gönnen – natürlich ohne dass es in einem unappetitlichen Vollrausch ausartet.
Regeln im Biergarten
Nirgends in München lässt sich das blonde Gebräu besser und zünftiger genießen als in einem Biergarten. Bestellt wird traditionell in Halblitergläsern: „A Hoibe, bitt’schön“ – oder im Maßkrug. Wer sich nicht sofort als Preuße outen möchte – alles jenseits des Weißwurstäquators, der je nach Definition einmal durch den 49° Breitengrad oder durch die Mainlinie repräsentiert wird – sollte bei der Betonung auf ein kurzes „a“ achten: Es muss „Mass“ heißen und nicht „Maaß“, bitte merken!
Die eigene Brotzeit mitbringen, das gehört im Biergarten dazu!
Eigene Speisen in den Biergarten mitzubringen hat in München Tradition. Schon seit dem 19. Jahrhundert kaufen Biergartenbesucher in Bayern die Maß an der Schänke und bringen die Brotzeit von zu Hause mit. Der Wirt könnte es nicht mal verbieten, selbst wenn er wöllte, da diese Tradition in der Bayerischen Biergartenverordnung quasi in die Maßkrugböden gemeißelt ist.
Die großen Biergärten in München sind deshalb auch in einen bedienten und einen Selbstbedienungsbereich unterteilt. In letzterem dürfen die Schüler ihre selbst mitgebrachte Brotzeit verzehren. Getränke müssen aber selbstverständlich vor Ort erworben werden. Im Bedienbereich gilt grundsätzlich: Essen wird beim Personal bestellt, Mitgebrachtes nur im Selbstbedienungsbereich gegessen. Und Obacht, die Mitarbeiter sehen dort garantiert, wenn jemand unter dem Tisch heimlich sein Pausenbrot auspackt.
Eine klassische Brotzeit ist in Biergärten also immer erlaubt. Was nicht geht: Essen in den Biergarten bestellen – der Pizzaservice ist also tabu. Doch auch wer ohne Brotzeit kommt muss natürlich nicht verhungern – von der Haxn über den Obatzten bis zum Radi – in den Münchner Biergärten ist für das leibliche Wohl bestens gesorgt.
Maßhalten statt Maß halten
Viele Touristen, und besonders junge Menschen, sind die großen bayerischen Trinkmengen nicht gewohnt. Um böse Überraschungen zu vermeiden ist es ratsam, sich dem bayerischen Grundnahrungsmittel mit aller gebotenen Behutsamkeit zu nähern. Eine „Hoibe“ ist für ältere Schüler okay – Komatrinken ist es selbstverständlich nicht.
Die besten Biergärten in München
Chinesischer Turm – der Klassiker
Natürlich ist der Biergarten am Chinesischen Turm eine klassische Touri-Tränke. Aber die riesige Anlage ist gleichzeitig auch der Inbegriff Münchner Biergarten-Kultur. Bei schönem Wetter spielt die Blaskapelle vom 25 Meter hohen Turm und Kinder können auf dem historischen Karussell ihre Runden drehen. Es gibt klassische Biergartenkost wie halbes Hendl und Brezn. Bei schönem Wetter muss man allerdings auch mal Schlange stehen um an Speis und Trank zu gelangen.
Augustinerkeller – der Traditionelle
Der Augustiner-Keller ist der Klassiker unter den Biergärten in München. In der Nähe des BR-Hochhauses gelegen ist er eine der ältesten und auch schönsten Münchner Schankinstitutionen. Ganz traditionell sitzt man im Augustinerkeller unter uralten Kastanienbäumen und trinkt sein Bier vom Holzfass. Und kaum ein anderer Biergarten-Klassiker ist so verkehrsgünstig gelegen. Nur wenige Schritte sind es zu Tram, S-Bahn und dem ZOB. Etwa 5000 Menschen haben an den Tischen Platz. Und Schülern, denen im Sommer selbst unter den schattigen Kastanien zu heiß werden sollte, steigen einfach ein paar Stufen in den ehemaligen Bierkeller hinab und genießen die „Hoibe“ im ausgebauten Gewölbe.
Biergarten am Viktualienmarkt – die zentrale Oase
Mitten in der Postkartenkulisse der Altstadt besucht die Klasse einen der schönsten Biergärten in München. Der Biergarten am Viktualienmarkt ist gleichzeitig auch der zentralste Biergarten der Landeshauptstadt. Unter den schattigen Kastanienbäumen kann man sich nach einem Gang über den berühmten Viktualienmarkt im Herzen der Altstadt oder einem anstrengenden Einkaufsbummel durch die Innenstadt erholen. Die sechs Münchner Brauereien schenken hier im Wechsel ihr Bier aus. Alle paar Wochen ist eine andere dran.
Hirschgarten – Münchens Größter
Der Königlicher Hirschgarten ist Münchens größter Biergarten. Hin und wieder kommt es vor, dass Touristen im Hirschgarten den Biergarten nicht finden. Dazu sollte die Klasse wissen: Hirschgarten heißt nicht nur das gewaltige Trink- und Brotzeitgefilde, sondern auch der Park drumherum. Und die S-Bahn-Haltestelle, die aber vom Biergarten einen guten Kilometer entfernt ist. Dementsprechend findet man den „Königlichen Hirschgarten“ gar nicht so leicht. Und das, obwohl er Münchens größter Biergarten ist – etwa 8000 Menschen finden hier Platz.
Wie in jedem größeren Biergarten in München gibt es auch hier einen Bereich mit Service und einen mit Selbstbedienung. Ausgeschenkt wird der Münchner Klassiker – Augustiner. Der Hirschgarten ist schon seit der Erbauung des „Jägerhauses“ 1791 eine der beliebtesten Münchner Ausflugs-Destinationen mit selbst heute noch mehr einheimische Gästen als Touristen. Und zum Königlichen Hirschgarten gehört natürlich auch ein stattliches, zwei Hektar großes Wildgehege direkt nebenan.
Biergarten am Wiener Platz – die schattige Oase
Der Wiener Platz ist mit seinen Marktständen einer der schönsten Plätze Münchens. Und er beheimatet mit dem Hofbräu Biergarten einen der schönsten und zugleich schattigsten Biergärten in München. Versteckt hinter einem großen Eingangstor unter einem prächtigen Kastanien-Bestand ist diese Tränke ein echtes Idyll. Für alle Naschkatzen gibt es seit dieser Saison auch ein Süßwaren-Standl, welches keine Wünsche offen lässt. Direkt neben dem Biergarten erstreckt sich die prächtige Neorenaissance-Kulisse des Hofbräukellers und zur Isar sind es nur wenige Schritte.
Die Münchner Biergärten sind sehr viel mehr als nur Orte zum Trinken – sie sind ein lebendiges Stück bayerischer Kultur und Tradition. Die Kommunikationszentren der Stadt zwischen knorrigen Kastanienbäumen und der herzhaften Brotzeit auf dem Tisch. Für Schüler auf Klassenfahrt ist ein Biergartenbesuch die perfekte Gelegenheit, einmal bayerisches Lebensgefühl in seiner authentischsten Form zu verkosten.